„Das scharf muss ins da da da…“
Ich bitte Euch. Wer außer Jonas könnte das so sagen, und wer außer uns würde es sofort verstehen? Genau. Niemand. Und das ist auch gut so.
Vier Zitate, die eigentlich alles sagen – und gleichzeitig gar nichts, wenn man nicht dabei war:
„Das scharf muss ins da da da…“ „Vorname = Dada, Nachname = Koseim“ „Ihr seid der Typ mit dem Pad… ohne Streichorchester“ „Zuhause die Töne… in der Probe das Schöne“
Das letzte ist übrigens gereimt. Absichtlich. Jonas ist eben ein Multitalent.
Wer jetzt mit der Stirn runzelt und denkt „hä?“, dem sei herzlich und ohne jeden Hintergedanken gesagt: Einfach mal zur Probe kommen. Keine Vorkenntnisse nötig. Keine Angst vor dem Scharf an der richtigen Stelle. Und keine Sorge – nach zehn Minuten Jonas wirst Du ebenfalls nickend dasitzen und denken: „Ja. Natürlich. Das Scharf. Da. Genau da.“
Ich wiederhole mich gerne. Ich kann nicht anders. Und ich werde – das sei der Vollständigkeit halber erwähnt – nicht dafür bezahlt.
Saal 1. Große Besetzung. Noch größere Gefühle.
„Wir sind in Saal 1″ – so stand es in der WhatsApp-Gruppe. Fünf Worte. Mehr brauchte es nicht.
Und dann passierte das, was bei uns eigentlich immer passiert, aber irgendwie jedes Mal aufs Neue wie ein kleines Wunder wirkt: Nach und nach füllte sich Saal 1 im Musikhaus. Und zwar richtig. Sechsundsechzig Sänger*innen – sage und schreibe 65! – rückten an. Aus allen Himmelsrichtungen, mit Taschen, Notenmappen, Tablets, Kaffeebecher in der Hand und diesem ganz bestimmten Gesichtsausdruck: dem „endlich-wieder-Probe“-Gesichtsausdruck, den man nirgendwo sonst auf der Welt sieht.
Und dann – oh, dieses wunderbare Chaos der echten, ungefilterten und herzerwärmenden Wiedersehensfreude:
„Boa, ist das schön, Dich wieder zu sehen!“ „Ey, das war definitiv zu lang!“ „Hey, super, Dich zu sehen!“
Und mitten in dieses Stimmengewirr aus Umarmungen, Schulterklopfen und aufgeregtem Durcheinanderreden platzte dann – völlig zu Recht und mit großem Jubel – der Glückwunsch des Tages: Unsere liebe Marion hatte am Tag zuvor standesamtlich geheiratet. Frisch vermählt. Die Tinte auf der Urkunde noch nicht mal trocken. Und schon stand sie bei uns in der Probe, strahlend wie ein Kronleuchter, umringt von Menschen, die sich für sie freuten, als wäre es ihre eigene Hochzeit.
Gibt es einen besseren Ort, um frisch verheiratet zu feiern, als mitten im Chor?
Wir sagen: Nein. Eindeutig nein.
Herzlichen Glückwunsch, liebe Marion – auf viele gemeinsame Töne, in der Probe und im Leben! 🎶
Das Buffet. Ein Kapitel für sich.
Bevor wir zur eigentlichen musikalischen Arbeit kommen – und die war großartig, das sei schon mal vorweggenommen –, müssen wir kurz innehalten. Tief durchatmen. Und dem Buffet die Aufmerksamkeit schenken, die es verdient.
Denn unsere Spender*innen haben sich auch diesmal wieder selbst übertroffen.
Was da auf dem Tisch stand. Was da alles wartete, aufgereiht wie eine kulinarische Ehrengarde, geduldig und verlockend, während wir Töne schmetterten und Sharps an die richtige Stelle setzten. Es war, mit Verlaub, atemberaubend. Farbenfroh. Üppig. Liebevoll zubereitet.
Die Probe war kaum in der Halbzeitpause, da wurde das Buffet mit einer Begeisterung gestürmt, die man sonst nur von Casting-Shows kennt, wenn der Juryplatz zu gewinnen ist. Teller, Gabeln, das freudige Stimmengewirr – und überall Gesichter, die sagten: „Ja. Das. Genau das.“
Ein riesengroßes, herzliches Dankeschön an alle, die so wunderbar für unser leibliches Wohl gesorgt haben. Ihr seid Gold. Essbares, köstliches, mit Liebe gemachtes Gold.
Und dann: Die Arbeit. Und was für eine.
„An den Anfang hat Gott die Arbeit gesetzt“ – und so stiegen wir, ganz ohne Umschweife, direkt ein.
Castle of Glass. Linkin Park. Glasklare Energie von der ersten Sekunde. Wer jetzt denkt, 65 Sänger*innen bräuchten erstmal ein paar Minuten zum Warmlaufen – der kennt uns nicht. Oder er kennt Jonas nicht. Oder beides.
Weiter ging es mit Music von John Miles – ein Stück, das allein schon durch seinen Titel sagt, was es ist: Musik über Musik. Hymne über Hymne. Mit diesem langen, atemlosen Bogen, der einem das Gefühl gibt, man könnte auf einer Welle reiten, die nie bricht. Und wir? Wir ritten.
Und dann – als hätte jemand beschlossen, dass der Nachmittag noch ein bisschen mehr Seele vertragen kann –: Altes Fieber von den Toten Hosen. Campino würde weinen, und zwar aus Freude. Versprochen.
Das Urteil. Von höchster Stelle.
Jonas, unser Chorleiter, Sprachkünstler, musikalischer Kompass und gelegentlicher Dichter, fällte am Ende das Urteil. Und es fiel aus wie folgt:
„Sitzt! Wird mit nach Leonberg genommen.“ Strohländle, um genau zu sein.
Für alle, die jetzt kurz die Ohren spitzen: Ja. Leonberg. Strohländle. Das ist kein Urlaubsziel Das ist unser nächster Auftritt. Unser großer Moment. Und bis dahin?
Schlappe 15 Wochen. In Probeneinheiten gemessen: 4 Proben. Vier. Dann gilts!
Ich lasse das kurz wirken… Vier Proben – dann Bühne… Leonberg… Strohländle…
Wer jetzt keinen Adrenalinstoß spürt, der möge bitte die Hand heben. Niemand? Dachte ich mir.
Und für alle, die jetzt motiviert auf ihre Notenmappen/Tablets schauen und fragen: „Was kann ich tun?“ – Jonas hat es bereits auf den Punkt gebracht, und ich zitiere ihn ein letztes Mal, weil es zu schön ist, um es nicht zu tun:
„Zuhause die Töne… in der Probe das Schöne.“
Gereimt. Gemeint. Gesagt. Beherzigt.
Und Lars hat dann auch gleich am Montag die nächsten Übe-Files auf unsere Cloud gestellt.
Das Ende. Das kein Ende war.
Leider – und das ist das einzige „Leider“ des Nachmittags – mussten wir die Probe früher beenden als geplant. Eine andere Gruppe hatte Saal 1 gebucht, und Türen, die auf sind, müssen manchmal auch wieder zugehen.
Aber wir? Wir sind ein Chor. Wir gehen nicht einfach nach Hause. Jonas Ansage:
Wir machen weiter. Draußen.
Und so standen wir – 65 Sänger*innen, Notenmappen/Tablets in der Hand – auf dem Parkplatz vor dem Musikhaus und schmetterten, was das Zeug hält. Castle of Glass. Music. Altes Fieber.
Auf einem Parkplatz. Spontan. Einfach so.
Ich glaube, ich spreche für alle, wenn ich sage:
Es war einfach wieder Spitze. Mega Spaß. Ein Nachmittag, der zeigt, warum wir das hier machen. Warum wir kommen, alle vier Wochen, Note für Note, Scharf für Scharf – da da da.
Auf die nächste Probe. Auf Leonberg. Auf Strohländle. Und auf Jonas, der weiß, wo das Scharf hingehört. (Und wir werden es lernen. Versprochen.)
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