Wenn wir eins können, dann feiern. Klar auch singen – aber feiern und singen, das ist die Krönung. Und bei uns heißt diese Krönung Karaoke: Party mit Gesang bis zum Abwinken, bis die Stimmbänder streiken und die Nachbarn die weiße Flagge hissen. Stimmkraft und Karaoke – das ist wie der passende Deckel zum Topf, wie Käse zum Wein, wie Schwarzlicht zu einer Discokugel, wie der Nebelwerfer zur Tanzfläche. Wir gehören einfach zusammen.

Und so war es auch nicht weiter verwunderlich, als unsere Sophia zu einer Karaokeparty anlässlich ihres 30. Geburtstags einlud. Keine Frage: Da simmer dabei, dat is prima! (Na, schon ein Ohrwurm? Herzlichen Glückwunsch, der bleibt jetzt den ganzen Tag.) Aber nicht Colonia, nicht Köln – sondern Tübingen! Genauer gesagt: das Geigerle, das legendäre Studentenwohnheim, bei dem manche Gäste zum Glück nur um die Ecke biegen mussten und andere sich aufgemacht hatten wie Pilger ins gelobte Land der guten Laune.

Pünktlich um 19:22 Uhr am Samstag, dem 23. Mai ging es los. Was für eine Uhrzeit? Ein vollkommen berechtigter Gedanke – und schnell gelüftet: Sophia ist am 24. Mai um 19:22 Uhr geboren. Also feiert man munter 24 Stunden vor der offiziellen Geburtszeit, damit man auuuuuuusssssgiebig feiern kann, ohne mitten in der Tortenanschneidung bereits den Geburtstag hinter sich gelassen zu haben. Logisch. Eigentlich sogar genial.


Doch bevor der erste Ton erklang, war das Fundament zu legen – und das Fundament hieß: Buffet à la Stimmkraft-Manier. Jeder bringt was mit. Das Ergebnis? Ein kulinarischer Querschnitt durch die Gesellschaft. Von Klassikern wie Chips (the original, unschlagbar), Käse-Trauben-Spieße (immer beliebt, immer weg) und Kuchen in den verschiedensten Ausführungen bis hin zu knusprigen Börek-Stangen und vegetarischem Sushi – letzteres ein stiller Beweis dafür, dass sich im Laufe der Jahre der Anspruch an das Partybuffet signifikant gesteigert hat. Zu trinken gab es von Sophia höchstpersönlich: Moscow Mule und Gin Tonic. Bei 50 Gästen muss schließlich einiges aufgefahren werden. Soll ja keiner verhungern oder – noch schlimmer – verdursten.

Ein bisschen Anlauf darf sein, das ist bekannt. So verteilten sich die Gäste zunächst gemütlich auf den Sofas und im Garten – schließlich ist im Frühjahr selten 30 Grad im Schatten, und nicht jeder hat das Glück, einen Trompetenbaum im Garten und Goldfische im Teich sein Eigen zu nennen. Das gehört bei Sophias Wohnheim dazu, fürchtet man. Ach ja, und dann war da noch das Trampolin, das einige der Anwesenden geradezu magisch anzog, als hätte es eine stille Kraft, die vernünftige Erwachsene kurz daran erinnert, dass sie das alles mal konnten. Andere versuchten sich derweil akrobatisch an den Klimmzug-Ringen – mit unterschiedlichem, sagen wir: unterschiedlichem Ergebnis. Und wem es draußen doch zu lebhaft wurde: Im Festsaal warteten Tischkicker und Billard auf ihre Herausforderinnen und Herausforderer. Klingt alles noch kein bisschen nach Karaoke. Abwarten. Die Bühne baut sich auf.


Gegen 21 Uhr dann die Verwandlung. Die Dunkelheit senkte sich über Tübingen und im Festsaal, und mit ihr kamen die Schwarzlichter so richtig schön zur Geltung. Das Licht tanzte in den Discokugeln und spiegelte sich in den Glitzervorhängen, die Nebelmaschine hauchte der Szenerie jenes gewisse Etwas ein – und Sophia und Karlotta übernahmen das Ruder. Von da an war es ein Selbstläufer. Die Karafun-Warteschlange füllte sich in Rekordzeit, als hätte jemand den Startschuss für einen Gesangswettbewerb gegeben, bei dem die Teilnahme verpflichtend ist.

Was folgte, war ein Abend in Reinkultur. Zu den Songs wurde getanzt, mitgesungen, mitgelitten und mitgejubelt. Und bei „Castle of Glass“ von Linkin Park? Da stiegen wir kurzerhand in den Chorsatz ein und sangen mehrstimmig dazu. Weil wir das können. Und weil man es einfach muss.

Um Mitternacht dann der große Moment: der Countdown. 10 – 9 – 8 – 7 … Und dann: aus 50 Kehlen gleichzeitig ein donnerndes „Happy Birthday!“, das vermutlich noch in der Altstadt zu hören war. Die Umarmungen, die folgten, nahmen kein Ende. Irgendwann hört man auf zu zählen. Geburtstage sind das einzige Ereignis, bei dem exzessives Umarmen gesellschaftlich nicht nur toleriert, sondern ausdrücklich erwünscht ist.


Und dann kam unser Moment. Passend zur Party, passend zum Geburtstagskind: Dynamite. Wie schön, wenn man A-Cappella singt – das geht immer, zu jeder Stunde, in jedem Zustand, in jedem Raum. Man braucht keine Technik, keine Mikrofone, keine Lichtanlage. Man braucht Stimmen. Und die hatten wir.

Den letzten Beweis dafür, was für eine Nacht das war, lieferte Sophia selbst: Getreu dem Motto „der/die Letzte macht das Licht aus“ ließ sie um halb acht Uhr morgens die Rollläden herunter – nicht weil die Party vorbei war, sondern um wenigstens noch eine kleine Mütze Schlaf zu erhaschen, bevor die nächsten Gäste zum Geburtstagsfrühstück klingeln würden. Man lebt halt nur einmal. Und manche leben das besonders gründlich.


Ach ja, und dann war da noch etwas: Man munkelt, dass sich an diesem Abend so mancher singbegeisterte Gast erkundigt hat, ob er oder sie nicht bei uns mitmachen könne. Nun ja. Wer möchte, der kann. Herzlich willkommen.

Der nächste Termin: Samstag, 13. Juni – 10:30 Uhr im Musikhaus. Die nächste Probe wartet. Und auf dem Programm steht, ihr ahnt es: „Castle of Glass“. Außerdem – nur zur Erinnerung – sind es nur noch 3 Proben bis zum Stohländle in Leonberg. Drei. Das ist nicht viel. Aber wir kriegen das hin. Wir kriegen das immer hin.

Also: macht’s gut, genießt die sonnigen Tage – und tragt euch den Probetermin 13. Juni im Kalender ein. Wer weiß, vielleicht singen wir irgendwann alle zusammen auf einer Bühne – Stichwort Strohländle, am 04. August – während die Nebelmaschine läuft und die Discokugel dreht.

Eure Stimmkraftler 🎤

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