Es ist 10:30 Uhr am Samstagmorgen, 05. Juli, und das Musikhaus Holzgerlingen erwacht langsam zum Leben. Der Raum ist noch halb leer, die Luft erfüllt von einer seltsamen Mischung aus Müdigkeit, Vorfreude und dieser besonderen Wiedersehensfreude, die nur Chormitglieder kennen. Verschlafene Gesichter werden von zaghaften Lächeln erhellt – schön, dass wir uns alle wiedersehen!

Um 10:35 Uhr – noch schnell das Namenschild am Flügel holen – stellt Jonas die Frage aller Fragen: „Na, wie gefallen Euch die Weihnachtslieder?“ Juli, 30 Grad im Schatten, und wir singen Weihnachtslieder. Jonas‘ Ankündigung: „Nächstes Mal bringe ich eine Kerze mit…“ – für die richtige Stimmung, versteht sich.

Einsingen… der erste Ton… Jonas ist ganz begeistert, den ersten Ton im Chor zu hören nach so langer Zeit. Die Magie des Augenblicks wird nur kurz unterbrochen, als Julian – mal wieder zu spät, aber gut gelaunt wie immer – den Raum betritt. „Julian, spürst Du es auch… dieses Gefühl vom ersten Ton im Chor nach langer Pause?“ Die Antwort bleibt im Raum hängen wie ein perfekter Akkord.

Und dann geht’s los: „Weihnachten! Hey kommt, es isch bald Weihnachten… mehr Freude bitte!“ Die Ironie des Moments – draußen brutzelt der Asphalt, drinnen besingen wir Schneemänner. „Don’t cry snowman – weine nicht, weine nicht Schneemann…“ tönt es durch den Raum. Jonas, mit der Empathie eines Chorleiter-Poeten: „Der Schneemann schmilzt, ein bisschen mehr Mitleid mit dem Schneemann!“

Wir steigern uns, von Lied zu Lied und sind bald nicht mehr zu halten. „Ja genau, und wenn der Tenor so hoch singt, dass es nur noch Hunde hören können, dann ist es perfekt!“

Manchmal sind es auch die Bilder vom Lebkuchen, die uns inspirieren den richtigen Ton zu singen. Jonas‘ O-Ton dazu: „Lebkuchen im Mund schmeckt leicht verdorben… Packung ist vom letzten Jahr. Den Lebkuchen anschauen, nicht wissen, kann ich den eigentlich noch essen? Ich schau ihn an, am Ende ja, ich kann ihn noch essen…“ Mit diesem existenziellen Gefühl die ersten Töne ansingen…

Ein anderes Mal schreiten wir wie Königinnen und Könige durch den Raum… auf der Suche nach dem Rhythmus für das nächste Lied… Majestätisch, würdevoll, nur leicht schwitzend bei hochsommerlichen Temperaturen und dem nötigen Ernst, den nur Stimmkraftler aufbringen können, die im Hochsommer Weihnachtslieder proben.

Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät? Wie von Geisterhand ist es plötzlich 13 Uhr. Die Zeit vergeht so schnell, wenn man Schneemänner zum Weinen bringt und über verdorbene Lebkuchen philosophiert. Wir schreiten aus dem Raum – natürlich immer noch königlich – in den Biergarten zur Weiler Hütte, um den Nachmittag gemeinsam ausklingen zu lassen.

Ach, was wären wir ohne unsere Chorproben? Ohne die Magie des ersten Tons, ohne Julian’s charmante Verspätungen, ohne Jonas‘ Lebkuchen-Weisheiten und ohne die kollektive Fähigkeit, mitten im Sommer Weihnachtsstimmung zu erzeugen?

Und was wären wir ohne unsere Auftritte. Gleich 3 mal dürfen wir in den kommenden Wochen zeigen was wir können. Den Anfang macht:

ChorOpen in Altdorf – Stimmbänder im Sommerrausch!

Am kommenden Samstag, 12. Juli ist ChorOpen in Altdorf! Ab 11 Uhr gibt es Non-Stop Spiele, Spaß, Essen und Trinken und jede Menge Chorgesang. Unser Auftritt ist von 14:15 bis 15:00 Uhr. Versprochen wird: weniger Lebkuchen, mehr Sommergefühl! Und… wer weiß… vielleicht bringt Jonas ja eine Kerze mit…

(c) DER NEUE CHOR, Altdorf

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